mt_ignoreInschriften können auf den Tragbalken über die Eingänge in die Friedhof-Gruften im italienischen Orvieto gesehen werden. Mit „etruskischen“ (richtig venetischen) Zeichen wurden sie vermutlich im 6. Jahrhundert v.u.Z. geschafft. Die antike Stadt Orvieto, einst als Urbs Vetus (Altstadt) genannt, überlagerte das Plateau wie ein Sandwich. Den darunter liegenden Rock durchbohrten die Menschen wie einen Schweizer Käse, und so gibt es zwei Städte. Beide finden wir auf halbem Weg zwischen Florenz und Rom am Zusammenfluss der Flüsse Tiber und Chiana. Rund um den Ort unter den Stadtfelsen gab es angeblich einen Kranz von Friedhöfen, von denen nur die beiden - Crocifisso del Tufo und Cannicella – bis heute bewahrt blieben. Also in: česky & English

Orvieto

Orvieto, Provinz Terni, Umbria. Kredit Mary Beale.

Historiker glauben, dass Orvieto eine der zwölf etruskischen Städte war, welche zusammen einen städtischen Bund gebildet haben. In 264 v.u.Z. fand in Orvieto eine Sklaven-Revolte, die letztlich die Römer
unterdrückten. Die überlebende Bevölkerung wurde zwangsweise in das heutige 14 km entfernte Bolsena umgesiedelt. Während der Bau einer Straße im Jahre 1830 am Fuße des Hügels erschien dieser orvietischer Friedhof. 1872 fingen archäologische Ausgrabungen an. Eine Folgeforschung fand in den Jahren 1960-66 unter der Leitung des Archäologen M. Bizzarriho statt. In der Literatur wird diese Lokalität unter dem Namen "Crocifisso del Tufo“ geführt. In der Tat nach einer nahe gelegenen Kapelle mit Kreuz aus Tuf aus 6. Jahrhundert u.Z. Der Friedhof wird im Internet auch unter irrigen Namen "Crocefisso del Tufo“ geführt.

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Aushubarbeiten Mitte des 19. Jahrhundert. (Lavori di scavo ad Orvieto a meta ottocento (G. Dennis, 1878).

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Stadtplan von Orvieto. Crocifisso del Tufo oben links, unten rechts Cannicella (bisher ohne Inschriftenfunde).


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Crocifisso del Tufo in Luftaufnahme ...
Kredit: opaxir

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... von oben ...
Kredit: slbeggy1

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... in Frontansicht. Erschlossen wurde nur ein Teil. Der Rest ist noch unter Tage.

Überraschende Besonderheit ist das einheitliche Erscheinungsbild aller Gruften und ihre relative Standardgröße 3x2x2 Meter und rechteckige Gestaltung im vergleich zu anderen Gruften. Die Gräber oder Grüfte auf den heutigen Friedhöfen sind demgegenüber eher verschieden, individuell und man findet kaum zwei gleiche. Ausser militärische und ähnliche.

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Plan von Crocifisso del Tufo. Es wird berichtet, dass die Necropolis im 6. Jahrhundert v.u.Z gegründet wurde
Kredit: Ben O'Donnell.

Auf dem Teilplan sehen wir, dass einige Gruften zweikammernartig, geräumiger sind. Gab es für diese Unterschiede irgendwelche Baugründe? Oder gab es andere Gründe? Warum hatte man die Gruften überhaupt zugeschütet? Warum gibt es auf einigen Inschriften und auf anderen nicht? Es gibt viele Fragen.

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Interieure der Gruften in Crocifisso del Tufo.

Auf dem steinernen Tragbalken eines der ältesten Gräber beim Eingang in die Nekropole ist eine ursprüngliche Inschrift gemeißelt, welche im Buch von R. Hesse, S. 222 (nach Horak) und auch im Internet zu finden ist.

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Tragbalken mit Inschrift.
Kredit: William S. Thayer.

Für eine Entzifferung der Inschrift brauchen wir einerseits zuerst den Klangwert jedes Zeichens kennen, um den Text überhaupt lesen zu könnne, andererseits müssen wir Wörte verstehen, welche aus den Zeichen bestehen. Wir befinden uns in einer Situation, ähnlich wie wenn Sie einen griechischen Text in kyrillischer Schrift geschrieben lesen sollen und beide nicht kennen. Aber wir brauchen nicht verzweifeln. Wir haben folgende Alphabete bzw. phonetische Zeichenwerte, welche für uns bereits andere schon gelöst haben.

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So genanntes „etruskisches“ Alphabet in der Literatur zitiert.

Zum Vergleich wird hier noch ein anderes Alphabet gegeben. Es ist das Ergebnis der Inschrift-Entzifferung der Stele von Lemnos von Antonín Horák (1991). Die Stele von Lemnos ist eine Steinplatte, mit protoslawischen Zeichen beschriftet (nach Usance "etruskisch" genannt), welche aber nicht in Italien sondern auf der Insel Lemnos in der Ägäis in der Nähe des Dorfes Kaminia gefunden wurde. Die Ähnlichkeit der Zeichen von Lemnos mit italienischem "Etruskisch" ist beachtenswert. Ein weiteres Rätsel, über die Wissenschaftler während Jahrzehnten sich den Kopf zerbrochen haben. Zu Recht fragen sie, was haben die Merkmale der Stele von Lemnos mit den italienischen gemeinsam? Wenn es auf Lemnos nur eine Inschrift wäre, aber nein! Es gibt viele, einschließlich auf Keramikscherben und das bedeutet, dass ihre Schöpfer Lemnos Bewohner waren. Jeder slawischer Leser spürt im Wort "Lemnos" eine vergriechte "Lomnice (oder „Lomna“ etc) und in "Kaminia" erkennt er "Kamenice“, „Kamnja“ etc., also einen slawischen Ursprung und bedeuten „das Dorf der Steinmetzer“.

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Phonetische Werte der urslawischen Zeichen auf Stele von Lemnos gemäß Horak (1991, S. 113).

Basierend auf der Analyse von 125 Texten fand Horak heraus, dass es mehrere Varianten des so genannten "etruskischen“ Alphabetes gibt, die sich bei bestimmten Zeichen unterscheiden. Ohne Kenntnis dieser Unterschiede wúrden wir bestimmte Texte nicht lesen können.
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Balkanische Variante des Alphabets.


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Italische Variante des Alphabets.
(italisch = geographisches Gebiet des heutigen Italien, nicht Itallener oder deren Sprache)

Nach dieser Vorbereitung mit Alphabeten schauen wir uns jetzt Mal die Inschrift im detaillierten Bild an. Die Ähnlichkeit zwischen der Inschrift und der italischen Variante ist gross.

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Detail des Tragbalken (ein Balken der über ein Wandloch gelegt wird)

Besonders auffällig ist das Zeichen für die Laute "Ž". Darüber schrieb Horak

image037.pngZeichen der Laute „ž“, akrofonisch abgeleitet von der Bezeichnung „žěno“ (äusserer Gebärorgan), ein Zeichen im Gebrauch in Italien

image039.pngZeichen der Laute „ž“ des heutigen östlichen kyrillischen zeigt ebenfalls ein „žěno“ und wurde auch akrofonisch abgeleitet.

ja.png Zeichen für ein Viehjoch

Box: Akrofonie - was ist das? In der Steinzeit gab esf keine Schulen, wo Kinder und Erwachsene lesen und schreiben lernen konnten. Deshalb haben Menschen mit einfachen Strichen ein Objekt gezeichnet. Dann aus dem Wort zu diesem Gegenstand die erste Silbe genommen und dadurch das Zeichen beschallt. Einfach, genial. Nehmen wir an, dass wir ein Viehjoch (in slawischen Sprachen: tschechisch „jařmo“, rus. "jarmo", srbkro. "jarma" usw.) gezeichnet und für Beschallung dieses Zeichens die Silbe "ja-" genommen haben und mit ihr das Zeichen beschallt hätten, welches das Joch symbolisiert. Ähnlich ging man in der Steinzeit vor – vergleiche das Zeichen Nr. 57 in der Ventris Tabelle. .

Sie hatten sogar Zeichen für Vokale. Überraschender nicht als Silben, sondern als Laute. So z.B. für das kurz artikulierte A benutzten sie das Wort „alpan“ (siehe Ventris Tabelle Nr. 8). Für das lang artikulierte „Á“ stand „ámbara“ zur Verfügung (siehe Ventris Tabelle Zeichen Nr. 25-a2). Eine „Ámbara“ ist eine Stange zur Ladungtragen, wie sie chinesische Bauern verwenden. Später verwendeten Menschen für Beschallung des Zeichens nur den ersten Laut statt der gesamten Silbe. Ein solches Beispiel ist eben das Zeichen Ž.
Mit solchen erschaffenen Zeichen konnten Menschen jeden beliebigen Gendanken niederschreiben. Anfangs waren die Niederschriften vermutlich einfach, aber mit der schrittweisen Entwicklung der Grammatik und des Wortschatzes gelang es die Gedanken immer besser einzutragen. Immer mehrere Wissenschaftler neigen zu der Auffassung, dass die Schrift in der Steinzeit die Protoslawen entwickelt haben und dass die Bezeichnung indogermanische Sprachgruppe eigentlich ein Missverständnis ist, denn die Grundlage ist enben das Protoslawische.

 

 

image044.gifя Zeichen für ein Kumt

Das Zeichen für ein Kummet wurde die Grundlage für das russische Zeichen "Я" mit Klangwert "ja".

Den Text überschrieben wir also gemäß der italischen Variante in Rundschrift. Es wird linkslaufend (von rechts nach links) gelesen, jedoch für unsere Bequemlichkeit wird er gleich zu unseren gewohnten rechtslaufenden Schreibweise übertragen.

M I V E L Ž A E S L A J S E

Diese Niederschrift unterscheidet sich von der Horáks Transkription. Nach Horak ist der dritte Buchstaben vom Ende ein „D“ mit folgendem „Č“ und die Inschrift lautet

MI V Ě LŽAĚ SLADČĚ

"Schlaf süss (gut)" finden wir auf den Friedhöfen noch heute. Vermutlich hatte aber Horak nur die Reproduktion zur Verfügung, welche auch in seinem Buch abgebildet ist. Dies erklärt auch seine Auslegung, denn in der Reproduktion sehen wir in der Tat ein „D“, welches etwas unter die Zeile gesetzt ist. Aber es ist eine Illusion aus Teilen der Buchstaben J, S und E. Horak erklärt es so, dass der Steinmetz den Text schlecht plante und am Ende der Zeile blieb ihm nicht genug Platz. Aber das hier veröffentlichtes Foto beweißt, daß Horak unvollkommene Reproduktion zur Verfügung hatte. Der Text sollte daher lauten

MI V Ě LŽAE SLAJŠE
wir in ihr (Gruf) liegen süsser

SLAJŠE ist 2. Grad des slowenischen Adjektivs „sladko“ (sladko - slajše – najslajše / - süß – süßer - am süßesten). Aus der Auslegung „Wir in ihr (Gruft) liegen süßer.“ folgt die Frage „Im Vergleich mit wem?“ Vielleicht gibt eine andere Auslegung der Inschrift eine Antwort

MI VELŽAE SLAJŠE
wir Velžaer sind süßer

Weil wir Velžaer süßer sind, liegen wir in der Gruft süßer? Wiederum, im Vergleich zu wem sind Velžaer süßer? Ist die Antwort "Mit denen, die in der Gruft liegen.“ richtig? Streng logisch betrachtet, die Inschrift wäre tautologisch (immer gültig), wenn der Autor beide Interpretationen im Sinne hatte. Es sieht so aus, als ob die Inschrift absichtlich zweideutig wäre. Mehrdeutigkeit liegt in der Bedeutung "in Süßigkeiten zerschmelzen.“, also schmeichlerisch unaufrichtig zu sein. Slowenischer (Venetischer) Verfasser der Inschrift beschwerte sich vielleicht auf irgend jemande Unehrlichkeit oder Betrug. Gleiche figürliche Bedeutung trägt der Begriff "süß" in Serbo-Kroatischem, wo "slágati" „versagen“ oder „anlügen“ bedeutet. Im Russischen im übertragenen Sinne "сладкий" bedeutet "unehrlich".

Übereinstimmend deuten Mehrdeutigkeit der venetischen (etruskischen) Inschriften Bor und Horák. Beiden schien, daß einige Texte absichtlich zweideutig verfasst wurden, daß sowohl italienische, als auch balkanische Veneten in solchen Texten Wohlgefallen hatten oder durch die Umstände dazu getrieben wurden. Ob es Anagramme (palma-lampa, d.h. ein neues Wort durch Umgruppierung der Zeichen), Palindrome (krk (Hals), ein sinnvolles Wort oder Satz in beiden Richtungen lesbar) usw. waren. In seinem Buch betonte Horák wiederholend, dass die herrschenden Etrusker nicht lesen und schreiben konnten und dies ihren slawischen Sklaven überliessen. Aus diesem Grund war es den Veneten auch möglich solche Inschriften sich leisten zu dürfen.

Slowenische Inschrift auf "Etruskisch" in Italien?
Ist das nicht ein Irrtum? Oder Zufall? Primat der Lösung der „etruskischen“ Schrift gehört dem Slowenen Matej Bor (1913-1993). Vor ihm ist es niemandem gelungen. Einer der Erforscher des „Etruskischen", aber auch des Linearen-A und Linearen-B, war der bereits erwähnte Antonin Horak (1918-2004). Eine seiner Thesen war, dass das so genannte "Etruskische" urslawischen Ursprung ist. Zur Unterstützung der These über Slawinität der neolithischen Bevölkerung Europas legte er in seinem Buch Analysen von mehr als hundert Inschriften auf Gegenständen aus Italien, dem Balkan, Mittelmeerraum und aus Mitteleuropa vor. Zitieren wir aus Horak zwei weitere Inschriften, die angeblich in Crocifisso del Tufo auch vorkommen.

MI ÍMA MÁR ČES VĚLÓJ Ě NÁS
mich nimmt den Tod, aber viele sind wir

MI LARÓ ÚR UŠ TAR VĚTĚ NÁS
mich traf Fluch schon Opfer zerstört uns

LARO = traf; Wortstamm "lar-" bezeichnet hacken-pochen-niederschlagen, "lar-isa" ist ein Beil zum Steinmeißeln, "lar-oja" ist eine behackte Statue ... etc., siehe AH_str136 (Abkürzung eines Hinweises auf A. Horak, 1991, S. 136)
UR = Fluch; im Urslawischen bezeichnet eigentlich eine "Ernte", jedoch unter dem Einfluss der Etrusken bedeutet es „Fluch“, weil man die eigene Ernte den Etrusken abliefern musste; auf AH_str136 gibt es einen Verweis auf die Aufschrift „Ě URĚ“ (ich verfluche sie) in der Gruft von St. Manna (AH_str155) und auf eine keramische Scheibe aus Cerveteri (AH_str178), dessen Autor „ÚRĚ“ (Fluche) schreibt.
TAR = Opfer; eine Abkürzung der vollständigen Form „tar-bjá“, wortwörtlich „utrácí těbjá“ (tötet dich) also ein blutiges Menschenopfer, rus. "trébjá" mit der gleichen Bedeutung; beim töten von Tieren können die Synonymen (er/sie/es) „utrácí“ (Infinitiv „utratit“) oder (er/sie/es) „zabíjí“ (Infinitiv „zabit) verwendet. Demgegenüber Menschen werden getötet „zabíjeni“; siehe AH_str136. Bemerkung des Übersetzers (Jandáček): Es erinnert an das Tschechische „je třeba“ (es ist notwendig) oder „potřeba“ (Bedürfniss). Jedoch alleinstehend hat „třeba“ die Bedeutung „vielleicht“.
VĚTĚ = tötet; hängt mit Alt-Tschechischem „je po nás veta“ („wir sind erledigt“) zusammen, hiervon das lat. "Veto" (Verwerfung-Absage), wogegen im Tschechischen mit dem Präfix "z-vetit se" der Wortstamm die gegenteilige Beeutung „obrodit se“ (sich erneueren) hat; siehe AH_str136
In Crocifisso del Tufo sind weitere slawische Inschriften zu finden, welche ich hiermit den Horak’s Übersetzungen anhänge.

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M IMÁ MÁR ČES TRI ... S (linkslaufend dargestellt)
Kredit: Giacmo Mazzuoli

M IMA MAR ČES TRI ??...... NÁS
mich Tod nimmt jedoch drei ?? ..... uns

Fragezeichen verweisen auf die beschädigte Stelle und das fehlende Wort konnte Hunderte oder Tausende bedeuten. Der letzter Buchstabe "S" deutet auf ein „NÁS“ ("uns") wie in den vorangegangenen Beispielen hin.

M = eine Kurzform von "mich" beim Steinschnitzen in Gebrauch oder ähnlich auf dem Bleistück von Magliano, siehe AH_str217. Auf "stenographische" Form einiger „etruskischer" (slawischer) Inschriften verweist auch Mojdl (2005, S. 51).
IMA = nimmt, sieheAH_136
MAR = Tod, siehe AH_str217
ČES = immerhin, siehe AH_str136

Auf der Webseite des Ministeriums für das kulturelle Erbe und die Archäologische Oberaufsicht - Toskana (http://www.comune.firenze.it/soggetti/sat/tabula/scrittura.htm), schreibt die Behörde oder Autoren der Webseite, dass die Inschrift der Name des Gruftbesitzers "Avele Sipana“ ist. Siehe Text auf dem Bild: "iscrizione con il nome della Tomba del possessore (Avele Sipan)." Jedoch italienische Archäologen oder Autoren der Web-Seite ließen ohne Rechtfertigung bei der Auslegung der Inschrift vier Buchstaben aus (die ersten Buchstaben "NI", das Achte und Fünfzehnte "S").

 

Eine eindeutige Übersetzung und Deutung der Inschrift ist nicht vorhanden. Vorläufig entzifferte ich sie als „Ni a Veleš sipa nás.“ Vielleicht bedeutet es "Nicht einmal die Velešane pfeifen auf uns.“ Oder „Aber Velešane pfeifen nicht auf uns.“ Die gegenwärtige tschechische doppelte Verneinung – also eine Betonung der Verneinung und nicht eine doppelte logische Negation – gab es im venetischen vermutlich nicht.

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NI A VELEŠ SIPA NÁS (linkslaufend dargestellt)
Kredit: Ben O'Donnell.

NI A VELEŠ SIPA NÁS
Aber Velešane pfeifen nicht auf uns

NI = nein, ist nicht, mitnichten
A = und, obgleich, obschon, obwohl, obzwar, aber, als, so, solchermaßen
SIPA = tschech. „sípat“ („pfeifen“, „keuchen", sehr heisere, rauschende Stimme ausgeben), in srbkro. "sípavac (Asthmatiker) oder srbkro. "sipati" (streuen-gießen-einfüllen-sprudeln), rus. "cиплый (heiser-rauh-asthmatisch), „er räuspert " im übertragenen Sinne auf uns, also „jemand pfeift auf uns“, wie wir heute sagen, was ihren Ursprung gerade in Lungenerkrankungen der versklavten urslawischen Steinmetzer hat, welche vermutlich häufig waren.

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MI A VELEŠ ČA CÁR SOĚ NÁS (rechtslaufend dargestellt)
Kredit: Angela Buer http://museums.angelabuer.com

MI A VĚLEŠ ČA CÁR SOĚ NÁS
Wir und die Vělšane, welche der Priester besamt / sticht uns

ČA = was („co“, A. Horák: Seite 137, 150, 157, 160, 238, 270), als („jak“, AH_str185), dann, danach („po“, AH_str217)
CAR = "Magier-Priester-Meister-Herrscher", von "ar" = Herr, rus. "Zar" (früher ein Zauberer), siehe Horak (AH_str150).
SOĚ / SĚ = (sprich „soje" bzw. „sje") könnte "er baut an", "er sät" (3.pers.singular) bedeuten, gemäß Serbkro. „sejati“, Tsch. „zasévat, sít“. Es könnte auch mit Serbkro."zolja" („Wespe") in Verbindung gebracht werden bzw. mit Wespenstichen („píchání-štípání“, piksen-stechen) zusammenhängen. Die übertragene Bedeutung von „säen“ oder „stichen“ bzw. „besamen“ in mehreren Sprachen ist Geschlechtsverkehr zu haben. Die Inschrift würde dann sexuelle Aktivitäten der etruskischen Priester, die keine Slawen waren und zu der etruskischen Oberschicht gehörten, bezeugen. Im Zusammenhang mit der Iguviischen Tafel 5a, welche extreme sexuelle Gewohnheiten bezeugt, kann dies nicht ausgeschlossen werden. Menschenopfer war auch Bestandteil der Aktivitäten der etruskischen Priester. Vermutlich haben sie das Blut der Opfer getrunken, was später in den Ritus des Weintrinkens bei der Messe überging.

Wer waren diese Steinmetzer?
Vorausgesetzt wurde die Inschrift „NI A VELEŠ SIPA NÁS“ ausreichend (entsprechend) gelesen, insbesondere der Buchstabe „P", dann konnte der Schreiber aus dem Balkan kommen. So hat man nämlich das „P“ dort geschrieben. Der Rest der Inschrift besteht aus italischen Buchstaben. Die Inschrift ist somit eine balkan-venetische Mischung. Auf der anderen Seite ist die Inschrift MI VELŽAE SLAJŠE in reinen italisch Variante des venetischen (urslawischen) Alphabets – siehe z.B. den Buchstaben „Ž“ wie". Somit würden die Inschriften von zwei ethnischen Gruppen kommen. Dies würde auch das auf einigen Inschriften vorkommenes Pronomen „wir“ näher bestimmen erlauben. Es würde "wir Balkaner und Velžaner“ bedeuten.

Inschriften sprechen von Velžane oder Velšane
Die Historiker nehmen an, dass Orvieto sich in der Nähe des Dorfes Velzna (etruskisch) / Volsini (lateinisch) befand. Vielleicht gehören die Namen „Volsci“ oder „Vělscá“ zusammen, welche das Priestertum von Umbrien bezeichnen sollte (Horak, 1991). Das Wort „vělscá" -image062.png linkslaufend geschrieben - habe ich auch auf Iguviischen (oder eugubinischen) Tafeln gefunden, die man im Dorf Scheggia im Jahr 1444 fand. Angeblich in der Kirche, von der aber nichts mehr übrig blieb. Im Jahr 1456 wurden die Tafeln in die Stadt Gubbio, welche die Römer Iguvium nannten, verlagert.

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Detail der 10. – 12. Zeile der Iguvijischen Tafel 5a. "Vělscá" ist auf der 11. Zeile . Übersetzung ist am Ende des Artikels in der Anlage.

Es gibt auch Münzen mit ähnlicher Inschrift – „Velznani“. Das gegenwärtige Slowenisch kennt das Wort "velznalc", welches „allwissend“ bedeeutet. Hatte man Fanum Voltumnae Versammlungen auch als "allwissende" benannt? Haben wir somit also zwei Namen - Velzna und Fanu Voltumnae - für ein Ort? Einige Historiker behaupten, dass Fanum Voltumnae ein Ortsteil von Velzna war.
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Münze mit der Aufschrift „Velznani“.
Kredit Adolfo Zavaroni.

Fanum Voltumnae
Etruskische Anführer trafen sich jedes Jahr in Sanktuarium Fanum Voltumnae, wo sie im Frühjahr gemeinsame Interessen und Probleme erörtert haben. Über 300 Meter vom Orvieto entfernt wird ab dem Jahr 2000 eine archäologische Stätte (Campo della Fiera) abgedeckt. In 2006, sagte die leitende Forscherin Simonetta Stoppani (Universität Macerata), sie haben Fanum Voltumnae gefunden. Aber nur eine Inschrift könnte es eindeutig bestätigen. Dem Bericht zufolge wurden bis Ende 2006 keine Inschriften gefunden. Die Archäologin Stoppani ist aber zuversichtlich, dass der Standort noch nicht alles ergeben hat. Nach Fanum Voltumnae wurde seit 15. Jahrhundert gesucht. Historiker Titus Livius erwähnt es fünf Mal, eine genaue Beschreibung des Standorts hat er aber nicht überliefert. Archäologen und Historiker sind der Meinung, dass es ein Ort vergleichbar mit dem heutigen Vatikan war. Aber nicht alles müssen wir glauben. Insbesondere dann nicht, wenn es nichtslawische Archäologen oder Historiker sagen, die nicht eine einzige slawische Sprache kennend, nicht in der Lage wären die venetischen Inschriften zu enträtseln.

Herbst 398 v.u.Z.
In Fanum Voltumnae haben sich ausnahmsweise Vertreter der zwölf etruskischen Städte League getroffen. Sie hatten einen ernsthaften Grund dazu. Die Römer belagerten die Stadt Veio, eine der zwölf Städte des Bundes, durch ständige Kämpfe erschöpft, bat die Stadt die League um Hilfe. Sie wurde aber verweigert. Hängen die Inschriften in Crocifisso del Tufo mit diesem oder ähnlichem Ereignis zusammen? Zwei Jahre später haben die Römer Veio durch Wasserzufuhrunterbrechung überwältigt.

Ein Kranz von Friedhöfen
Den Informationsquellen über Crociffisso del Tufo und Cannicella entnehmend wissen wir, dass rund um Orvieto ein „Friedhöfekranz" lag. Womit diese Behauptung in diesen Quellen begründet wurde, ist unbekannt.

Schlussfolgerungen
Inschriften in Crocifisso del Tufo zeigen uns eindeutig die Anwesenheit sowohl der balkanischen als auch italischen Slawen in der Provinz Terni. In Orvieto mindestens bis Hälfte des dritten Jahrhunderts v.u.Z. bis zur Vertreibung der Bewohner durch Römern nach Bolsena.
Inschriften sind keine Namen der Toten oder Grufteigentümer, wie dies das Ministerium für das kulturelle Erbe und die Archäologische Oberaufsicht - Toskana bringen, sondern eine Vielzahl von kurzen Sätzen. Ich habe keine komplete Liste der Inschriften, jedoch die bislang übersetzten deuten auf sozialen Spannungen in der Gemeinde oder Umgebung hin.
Bemerkenswert ist, dass die Inschriften nur in Crocifisso del Tufo gefunden wurden. Nicht aber in Cannicella oder Campo della Fiera.

Anlage
Transkription und Übersetzung des iguviischen Textes gemäß Horak:

10. Zeile:
Ě MÁNJÚ OĚŘJĚ A RVĚRJÚŘ PISÍ PUMPĚ
deren Ausartung verifizierend und anvertrauend Inschriften des Ritus

11. Zeile:
VUŠ JĚ ŘĚK ĚSU NĚSKU ČĚ PURUŠ VĚLSCÁ
schon ich bin sagte heute welche Aberglauben die Velšane
(ĚSU hatte Horak nicht unübersetzt, JĚ ŘĚK ĚSU könnte eine grammatikalilsche Form sein)

12. Zeile:
AŘ PÚJ RÁJI VRAJRÚ A JÍ IĚŘIJU PRĚ HÚBJA
Wenn ich gehen werde im Paradies mit Freierin und ihr anvertraue für
die Liebe (lúbjá)

Ein Doppelpunkt am Wortende dehnt den vorherigen Vokal, wirkt also wie heutige Beistriche.

Quellen
http://www.marybeale.com/journal/2005.html
http://spazioinwind.libero.it/popoli_antichi/Etruschi/Volsinii-archeo.html
http://www.dartmouth.edu/~classics/rome2005/updates/week3_4/oct3.html
http://blogs.nyu.edu/blogs/jlc559/jamie/
http://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Gazetteer/Places/Europe/Italy/Umbria/Terni/Orvieto/environs/Crocifisso_di_Tufo/home.html
http://www.canino.info/inserti/monografie/etruschi/etruschi_tuscia/orvieto/index.htm
http://www.comune.firenze.it./soggetti/sat/tabula/scrittura.htm
http://www.dartmouth.edu/~classics/rome2005/updates/week3_4/oct3.html
http://museums.angelabuer.com
http://www.etruscaphilologia.eu/nummi.htm
http://www.answers.com/topic/volsinii-1
Matej Bor: Die Sprache der Veneter, in J. Šavli, M.Bor: Unsere Vorfahren – Die Veneter, Wien, 1988.
G. Dennis , The Cities and Cemeteries of Etruria, vol. II , 40,1878.
Jan Kollár: Staroitalia slavjanská, Wien, 1853.
Robert Hess: Das etruskische Italien, Köln, 1973.
A. Horák: O Slovanech úplně jinak, Vizovice, 1991
A. Horák viz http://www.fdb.cz/lidi/32408-antonin-horak.html
L.Mojdl: Encyklopedie písem světa, Libri, Praha, 2005.
Fanum Voltumnae:
http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/7028330.stm
http://www.comune.orvieto.tr.it/pdf/campo_fiera.pdf

Abkürzungen:
AH_str100 bedeutet Zitat aus Antonin Horák Seite 100.
srbkro = serbokroatisch
rus. = russisch

Danksagung
Autor Dankt Robert Petrič für seine hilfreiche Anmerkungen.

Buchbestellung:
Antonín Horák: Über Slawen ganz anders, Lípa, Vizovice, 1991
ISBN 80-285-0010-1
Nur in tschechischer Sprache erhältlich.
 
Verlag Lípa,
Masarykovo náměstí 421
76321 Vizovice,
Tschechische Republik