Autor: Robert Petrič
Lektor: Thomas Langer

Zusammenfassung

Es ist das Buch von Hacquet Slavus-Venedus-Illyricus, das wir analysieren. Das Werk erforscht irgendwie unbelastet die Herkunft und Sitten der so genannten Südslawen. Die Festlegungen, die der Autor in seiner Studie dieser »Nation« erforscht, sind äußerst ähnlich derjenigen, die die Alteingesessenheit der Slawen nachweisen.

Schlüssel Wörter: Geschichte, Ethnologie, Religion.

Belsazar oder Balthasar Hacquet (immer unterzeichnete er sich nur als B. Hacquet ) wurde 1739 oder 1740 in Bretagne (Frankreich) geboren, gestorben ist er 1815 in Wien. Inzwischen war sein Werk hauptsächlich der Erforschung der »so ausgebreitete/n/ Nation der Slaven« gewidmet, als wir es in seiner Anrede an den Monarch, am Beginn des Buches Slavus-Venedus-Illyricus[1] lesen können:

 »/.../ Da die so ausgebreitete Nation der Slaven zwey Drittheile der Bevölkerung aller KaiserStaaten ausmachen, so dachte ich es sey sehr zweckmäſsig, diese Völker so viel möglich zu studieren, wozu ich um so mehr Gelegenheit bekam, durch meine dreyundvierzigjährige Militair - und Civildienste bey dem Erzhause

Hacquet verzeichnete die Geschichte als Ethnologe, Artzt, Naturforscher und Alpinist. Er wohnte die meiste Zeit in Idrija (Slowenien), war aber auch in Ljubljana als Anatomie Professor, in Lviv als Naturwissenschaft Professor und in Krakau als Chemie und Botanik Professor tätig. 1782 bestieg er den höchsten Gipfel des heutigen Sloweniens, Triglav, und kann so als einer der ersten Alpinisten bezeichnet werden. Dass es sich um eine große Tat handelte, bestätigen die Worte »Was Saussure für den Montblanc, das bedeutet Hacquet für den Triglav«[2], so Julius Kugy.

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Bild 1: Balthasar Hacquet

Die Geschichte der Slawen
Für unsere Leser am meisten interessant ist sicherlich seine Forschungsarbeit über die Slawen. Im schon erwähnten Werk Slavus-Venedus-Illyricus beschäftigt er sich mit ursprünglicher Geschichte. In der Einleitung beginnt er mit entschlossenheit:

»Es sind bereits 40 Jahre, daſs ich mit der groſsen, mächtigen und mehr als jemals die Araber ausgebreiteten Nation der Veneden, Winden, Sklavenen oder heutigen Slaven lebe. Dieses Volk, welches dermalen in Europa seinen Anfang an den Grenzen Italiens oder des venetianischen und tiroler Gebieths in Westen nimmt, (vor Alters begrift man diese Länderstrecke unter den Namen Cárnia) hat sich durch solches noch weiter nach Rhätien, Suevia, und ohne Zweifel bis Franken erstreckt, wie ich ein Beyspiel vom ersten vom ersten Lande gegeben habe a).

a)   Oryctographia carniolica 3ter Theil Vorrede S. X. Leip. 4ter Th. C. f. 1778-89, man siehe auch in dem Bande Mappa Litho Hydrographica nat. Sla. Ad occidentem solem sitae. Ferner physikalisch-politische Reise aus den dinarischen in die norischen Alpen im Jahre 1780-83. 2. Th. Leip. 1785. 8. mit Kupf.

Diese Nation /.../ wurde von den mehresten Schriftstellern mit dem Namen Wenden oder Winden belegt, /... sie haben/ sich den Titel Slavenci /... gegeben/. Jetzo erstreckt sich dieses Volk von den oben erwähnten Ländern an dem linken oder östlichen Ufer des adriatischen Meers abwärts neben Albanien und rückwärts nach Norden an das Eismeer fort, von da mehr oder weniger ausgebreitet, aber doch herrschend über Kamtschatka oder Steinwarth zu dem aleutischen Inseln, und nach Nord-Amerika. Aus diesen ist zu ersehen, wie die so sehr ausgeschrieenen Römer gegen die heutigen Slaven im Betriff des Erdraums eingeengt waren. Nur sehr wenig von Asien und Afrika war ihrer /Römisher/ Herrschaft unterworfen, da hingegen die Slaven des russischen Reichs mehr Oberfläche, als China einnahmen. Und wo bleibt nun erst der österreichische, turkische, und zum Theil der preusische Staat in Nord-Osten? Besteht ersterer nicht beynahe blos aus Slaven? Nur 2 bis 3 Millionen Ungarn d) und eben so viele Teutsche, sind die einzigen Völker, welche unter der österreichischen Bothmäſsigkeit stehenden Slaven, gemischt sind. Kaiser Karl IV hat den Stand seines Reichs sehr wohl gekannt, da er in aurea Bulla cap. 3 verlangte, daſs jeder Kurfürst die wendische Sprache fertig reden solle, in der Absicht, selbige zu einer herrschenden Sprache zu machen. Auch der unsterbliche Joseph II. soll bey Anfang seiner Regierung die Frage an seine Minister gemacht haben; was für eine Sprache in seinem Reiche allgemein eingeführt werden solle, slavisch oder teutsch? Allein es blieb bei der letztern. Ob dies zum Vortheil des Staats gereiche, ist eine andere Frage: für das Negative sind viele Grunde vorhanden.

d) Schloetzer allgemeine nordische Geschichte. Seite 249. 4to. Halle 1771.«

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Bild 2: Der innere Buchdeckel

 Schon am Anfang benennt Hacquet die Slawen mit verschiedenen Namen, wie Veneden, Winden und Sklavenen, wozu er ihnen auch noch sehr ausgedehnte Siedlungsgebiete zuschreibt. Am meisten interessant ist aber sicherlich die Festlegung der slawischen Genese im Mittelpunkt der Alpen, vor Alters Carnia genannt, dass Volksgebiet soll sich aber noch biss Schweiz ausstrecken! Mit den Worten, dass noch heuer »unter der österreichischen Bothmäſsigkeit« beinahe bloß Slawen leben, beschreibt er auch in seinen 18. Jahrhundert eine großräumig kontinuierte Besiedlung. Das letztere bekräftigt er mit weniger bekannten Angaben, wo es nicht viel gefehlt sein sollte, dass sich die Wendische (Slowenische) oder Slawische Sprache, unter den Kaisern Karl IV. und Joseph II., als Amtsprache durchsetzte. 

Der Autor befasste sich viel mit einzelnen Regionen und ihren Landessitten. Hier sind die interessantesten Auszüge aus diesem Teil des Buches:

Seite 19:[3]
»Krainer oder Krainze
Diese Krainer, sonst vor Zeiten Gorantaner, Gebirgländer, Gorenzi oder Oberländer genannt /.../.«

Der Name Gorantaner, den er hier erwähnt ist den Korotaner (das weite Gebiet Kärntens hieß manchmal Korotan) äußerst ähnlich. Korotan ist für manche Autoren aus Grundwörter kar, čer > gora (Klippe > Berg) und stan (Quartier, Hütte) erklärbar. Aber auch wenn die Etymologie hier nicht ganz klar scheint, klingt solche Erklärung dennoch logischer als die aus dem Keltischen Wort kara (felsig), denn der Keltische Einfluss könnte kaum so ein kompaktes und erstrecktes Alpengebiet mit ähnlichen Namen (Karnische Alpen, Karavanken, Krn ...) versorgen. Vielleicht waren Kärntner und Krainer in der Geschichte dennoch verwandter als heuer!?

Seite 41:
»Istrianer oder Istrier (Istriane)

/.../ Die mehresten Landleute sind bloſse Slaven, aber in den Stadten der Seeküste Venetianer oder Italiener /.../«

Ziemlich überzeugend über Hacquets Unbefangenheit ist die Tatsache, dass er im Vergleich mit meisten Autoren auch Landleute und ihr leben gut kannte. Die letzteren waren aber für ihn Seinerzeit auch in Istrien meistens Slawisch. So viel über einen der so vielen Hinweise für Slawische Abstammung der mittelalterlichen und womöglich auch altertümlichen Bevölkerung Istriens.

Seite 99:
»Liburner oder Liburnci

Liburner sind halb Illyrer, da sie noch sehr mit Wenden vermischt und zum Theil von den letztern die Sprache haben

Es ist interessant zu wissen, dass der Name der heutigen Stadt Rijeka vorher als Reka bezeichnet wurde. Man könnte den alten Namen den Wendischen Einfluß zuschreiben, indem der gegenwärtige Name zu einen der späteren Auswirkungen der Assimilation zuzurechnen ist. Dafür spricht auch der obere Auszug, wo wir lesen können, dass die Liburner einst mit den Wenden (Slowenen) vermischt waren.

Seite 199:
 »Slavonier oder Slavinier (Slovenecz)

Das heutige Slavonien, Slavenskazeme, al Szlovensko Kralyesztvo / .../

Ethnologisch und geschichtlich gesehen ist hier die Rede von bedeutsamer Zeugung über die Ableitungen mit ihrer Aussprache von den Namen dieser Region (Slawonien). All das zeigt, dass die von Antol Vramec im 16. Jahrhundert gegebene Bezeichnung »Szlovenczi«[4] authentisch war und sich sicherlich auf das breitere Gebiet des heutigen Slawoniens bezieht.

 Ein Blick auf die Religion

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Bild 3: Carica vazduha vodi i zemli
(Die Zarin der Luft, des Wassers und der Erde)

Hacquet war sehr kritisch was die Religion der Slawen betraf. Im Kapitel Religion werft er vor, sie seien nicht Erleuchtet, Abergläubisch und dass sie mit den Heiligen zu beschäftigt sind, was seiner Meinung nach ein Problem des Nachlassens der Kirche war. Über dieses Thema hat sich Jurij Fikfak[5] aus dem Institut für Slowenische Volkskunde in seinem Essay O Hacquetovih upodobitvah in opisih drugega detaillierter ausgebreitet. Was aber am meisten in die Augen springt ist die Erwähnung von Maria, die als Königin der Elemente vorgestellt wird, und sollte als ein Übergang von altertümlichen Verehrung der dreiköpfigen Gottheit Triglav der alten Slawen dienen. Er zeigte auf Herrschaft über gleiche drei Elemente als das bei Triglav in Brauch war, und benutzte dabei eine Vignette (Bild 3), die eigentlich meistens bei den Nordöstlichen Slawen bekannt war. Dazu schrieb er noch:

»Man sehe die Vignette zu Anfang dieser Einleitung, wo Maria als die Beherrscherin aller Elemente vorgestellt ist, so wie die dreyköpfige Gottheit Triglav der alten Slaven, der man die Herrschaft über Luft, Erde und Wasser zuschrieb« (Hacquet 1801-1808, 1: 12).«

Schluß
Hacquets schreiben präsentiert wahrscheinlich ein authentisches, unverzerrtes Bild in seiner Zeit und bietet als solches einen guten blick in die Einordnung der Slawen in das Alpen und Balkangebiet ein. Da findet man aber überhaupt keine Spuren von einer massenweiser Migration im frühen Mittelalter. Im Gegenteil; der Anfang der Slawen war gerade hier - im herzen der Alpen! Hacquet lässt uns das ohne Zweifel bemerken.


[1] Abbildung und Beschreibung der Südwest und östlichen Wenden, Illyrer und Slaven (Leipzig: Im Industrie-Comptoir. 1801 (NUK-U 466608; NUK 464777).

[2] Die Erschliessung der Ostalpen,  III. Band: Die Centralalpen östlich vom Brenner und die südlichen Kalkalpen,
unter Redaction von Prof. Dr. E. Richter, herausgegeben vom Deutschen und Österreichischen Alpenverein, Berlin, 1894.

[3] Abbildung und Beschreibung der Südwest und östlichen Wenden, Illyrer und Slaven (Leipzig: Im Industrie-Comptoir. 1801 (NUK-U 466608; NUK 464777).

[4] A. Vramec, Kronika, Ljubljana 1578.

[5] J. Fikfak, O Hacquetovih upodobitvah in opisih drugega, Hacquetia 2/2, 2003, S. 37-48, siehe auch http://www.zrc-sazu.si/isn/Publikacije/FikfakHacquet.pdf.